Am 28. und 29. Oktober 2017 fand in Kassel die erste Tagung von „Organisieren Kämpfen Gewinnen“ statt. Die Tagung öffnete für betrieblich Aktive, Menschen aus Solidaritätskreisen und interessierte GewerkschafterInnen einen Raum, um über Herausforderungen und Erfolge in der eigenen Arbeit für eine unbequeme, lebendige und solidarische Gewerkschaftsarbeit zu diskutieren - und voneinander zu lernen. Auf dieser Seite erfährst Du alles Wichtige zu dieser anregenden und motivierenden Tagung.
An dieser Stelle findest du einen kurzen Bericht, was du verpasst, aber bei der nächsten Tagung in zwei Jahren miterleben kannst!

„Wir brauchen eine Bewegung der Störenfriede!“

Erste OKG-Konferenz in Kassel. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren über Erfahrungen aus betrieblichen Kämpfen und Strategien für die Zukunft.

„Von den Besten lernen, von euch lernen“, so eröffnete Violetta Bock die erste Tagung von ‚Organisieren – Kämpfen – Gewinnen‘ (OKG), die am 28. Und 29. Oktober in Kassel stattfand. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus so unterschiedlichen Branchen wie der Pflege, dem Maschinenbau, der Stahlindustrie oder dem Versandhandel, hatten sich zusammengefunden, um genau das zu tun: Aus den Organisierungserfahrungen anderer zu lernen, gemeinsam über wirksame Mittel zu diskutieren, sich im Betrieb durchzusetzen, sich zu vernetzen und so für die kommenden Auseinandersetzungen stärker zu werden. „Von den Arbeitgebern werden Leute wie ihr oft Störenfriede genannt. Wir finden: Tragt den Namen mit Stolz. Wir brauchen eine Bewegung von Störenfrieden!“, so die Botschaft von Violetta.
Unsere Bewegung heute vor enormen Herausforderungen. Wir sehen uns zunehmend systematischen Angriffen der Arbeitgeber gegenüber. Unsere Gewerkschaften sind in der Defensive, ältere erfahrene Generationen kämpferischer Kolleginnen und Kollegen verlassen die Betriebe. Angesichts dessen wollen wir als OKG dazu beitragen alte und neue Störenfriede zu unterstützen, Räume zu schaffen, in denen von- und miteinander gelernt werden kann. So wollen wir dazu beitragen, dass ein Netzwerk der Solidarität und ein Meer der Unruhe entstehen.
Unsere Konferenz hat einen kleinen Beitrag dazu geleistet. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen, die Kolleginnen und Kollegen in ihren betrieblichen Auseinandersetzungen gesammelt haben. Welche Lehren ließen sich daraus ziehen? Was könnte für die Arbeit im eigenen Betrieb mitgenommen werden? Wie könnten wir Angriffen wirkungsvoller begegnen? Als OKG-Team haben wir das Wochenende mit großer Spannung erwartet. Mit zwei Wochen Abstand, Rückmeldungen von Teilnehmern und gemeinsamer Auswertung kommen wir zu dem Ergebnis: Uns ist eine einzigartige Konferenz gelungen, die ein Auftakt für weitere Projekte ist. Für alle, die nicht dabei waren, wollen wir daher zumindest ein paar Eindrücke festhalten.
Das Auftaktpodium am Freitag bestritten (Zahl) Betriebsräte. Sie berichteten über die Angriffe, ihre Gegenwehr, aber auch über ihre Lehren daraus, um sich in Zukunft wirkungsvoller zu wehren. Debattiert wurde über den Stellenwert von betrieblichen Aktivenkreisen, einer guten Rechtshilfe, von Öffentlichkeitsarbeit und der möglichen Rolle von Unterstützungs- und Solidaritätskomitees .
Auch in anderen Workshops am Samstag konnte aus konkreten betrieblichen Auseinandersetzungen, etwa im Rahmen von Tarifkampagnen, gelernt werden. Beispielsweise diskutierten Beschäftigte des Botanischen Gartens in Berlin mit rund 25 KollegInnen über die Organisation ihrer erfolgreichen Tarifauseinandersetzung. Mit einem 20monatiger (!) Arbeitskampf zwangen sie die Freie Universität Berlin schließlich, ihre 100 prozentige Tochter wieder einzugliedern; und setzten so ein dickes Ausrufezeichen im Kampf gegen die Tarifflucht im öffentlichen Dienst. Ihre Lehren: Es braucht eine gemeinsame Strategieplanung durch betriebliche Aktive und eine offensive Öffentlichkeitsarbeit. Wer sich davon inspirieren lassen möchte, sollte einen Blick auf die Homepage der Aktiven werfen (http://www.verdi-botanischer-garten.de/wordpress/category/allgemein/) und das Buch „Der Aufstand der Töchter: Gemeinsam staatlich organisierte prekäre Beschäftigung überwinden“ anschauen.
Um ähnliche Fragen ging es auch im zeitgleichen Workshop mit zwei Aktiven aus der UMG-Gastronomie der Universitätsklinik Göttingen. Konkret: Wie lassen sich auch passivere KollegInnen mitnehmen? Wie gelingt es, auch in anstrengenden und langen Tarifauseinandersetzungen Ausdauer zu bewahren?
Später am Tag gaben zwei zeitgleiche Organizingworkshops erste Einblicke in das von OKG übersetzte Buch „Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin“. Es wird in Kürze im Schmetterling Verlag erscheinen und ist ein systematischer Leitfaden für den Aufbau von aktiven Gewerkschaftsgruppen, die nicht nur während der Tarifrunde, sondern täglich im Betrieb spürbar sein wollen. Ihr könnt es im Verlag oder direkt via Mail an info@okg-mail.de bei uns bestellen .
Wie wichtig solche Aktivengruppen sind, zeigte auch das Abschlusspodium, das am Sonntag Mittag stattfand. Beschäftigte aus der Berliner Charité und von Amazon Bad Hersfeld zeigten, wie der systematische und basisorientierte Aufbau nicht nur die Durchsetzungskraft im Betrieb stärken, sondern auch zu einer offensiven Ausrichtung der Gewerkschaftsarbeit beitragen kann.
Durch die Konferenz haben wir viele neue Impulse gewonnen, neue Ideen sind entstanden, neue Kontakte konnten geknüpft werden. Oder um es mit den Worten unserer TeilnehmerInnen zu sagen:
„Sehr gehaltvoll, kurzweilig, zeigt viele Möglichkeiten für mich, weil ich kann mich ja selbst nicht mit allem beschäftigen. Das geht nur über den Austausch“ (Memet, Bauhaus Witten)
„Der Vorteil hier ist, dass es auch mal an die kleine praktische Arbeit geht. Ohne die Gewerkschaften geht’s nicht, aber die können nur unterstützen, machen müssen wir es selber und hier wird endlich mal darüber geredet, wie wir’s zusammen machen“ (Ronald, Botanischer Garten Berlin)

Und weil unsere Konferenzen nur alle zwei Jahre stattfinden, möchten wir einen solchen Austausch für „die kleine praktische“ Arbeit im betrieblichen Alltag auch in kleineren Runden organisieren. Wer gemeinsam mit uns bei sich vor Ort oder in der Region Workshops auf der Basis der Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin durchführen möchte, erreicht uns unter info@okg-mail.de Um unsere Arbeit zu finanzieren, sind wir aber auch auf Spenden angewiesen. Wer uns unterstützen möchte, kann das durch eine einmalige oder eine dauerhafte Spende tun:
Gegenmacht organisieren e.V.
IBAN: DE33 5205 0353 0001 1642 20
BIC: HELADEF1KAS